Aufnahmestopp: Für Daniela Tenge sei es ein Unding, dass in Bielefeld kein einziger Kinderarzt mehr frei sei. "Ich war wütend und enttäuscht", sagt die fünffache Mutter mit Töchterchen Zoey. - © Andreas Zobe
Aufnahmestopp: Für Daniela Tenge sei es ein Unding, dass in Bielefeld kein einziger Kinderarzt mehr frei sei. "Ich war wütend und enttäuscht", sagt die fünffache Mutter mit Töchterchen Zoey. | © Andreas Zobe

Bielefeld Baby Zoey findet in Bielefeld keinen Kinderarzt

Gesundheit: Mutter Daniela suchte verzweifelt einen Arzt. Doch alle Praxen seien überfüllt. Selbst als ihre Tochter krank wurde, konnte sie nicht aufgenommen werden. Hilfe fand sie erst in einer anderen Stadt

Fabian Herbst

Bielefeld. "Die Hilflosigkeit schnürte mir die Kehle zu", sagt Daniela Tenge. Die 41-Jährige hat fast zwei Wochen lang vergebens für ihre 32 Tage junge Tochter einen Kinderarzt in Bielefeld gesucht. Denn die kleine Zoey benötigte dringend eine Kontrolluntersuchung. Da ihr bisheriger Kinderarzt in Rente gegangen war und es keinen Nachfolger gibt, war die fünffache Mutter gezwungen, einen neuen Arzt zu suchen. Tenge wandte sich zunächst an Kinderärzte, die für ihren Bezirk in der Kurt-Schumacher-Straße zuständig sind. "Bei den Ärzten herrscht Aufnahmestopp", sagt sie. "Ich war sprachlos", betont die 41-Jährige. Zudem machte sich bei der kleinen Zoey eine Windeldermatitis breit. Eine Infektion, bei der sich Blasen bilden und entzünden können. Ein Problem, das sofortiger Behandlung bedarf. "Bei solch einem Vorfall bekommt man normalerweise sofort einen Termin", sagt Tenge. Also suchte sie weitere Ärzte. Sogar bis Oerlinghausen fuhr sie. Doch sie bekam noch immer keinen Termin. "Man denkt, das darf doch nicht wahr sein." "Ich war verzweifelt und wusste nicht, wohin mit meinem Kind." Eine Arztpraxis teilte Tenge mit, das alle Kinderärzte in Bielefeld überfüllt seien und sie einen Aufnahmestopp erlassen hätten. "Sogar in Herford und Steinhagen seien die Praxen voll", wurde der gebürtigen Bielefelderin mitgeteilt. Für Daniela Tenge ein Skandal. "Ich war wütend und enttäuscht." »Dir sind einfach die Hände gebunden« Selbst ihre Krankenkasse sei über den Fall schockiert gewesen. "Unser Sachbearbeiter war entsetzt und konnte das gar nicht glauben", berichtet die Mutter. Das wäre Ihnen auch noch nicht untergekommen. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, urteilt die 41-Jährige. "Dir sind einfach die Hände gebunden." Für die verzweifelte Bürgerin liegen die Gründe jedoch auf der Hand. "Ich habe mitbekommen, dass es sich um ein Problem handelt, das nicht erst seit gestern besteht", so Tenge. Die 41-Jährige habe gehört, dass, zum einen, viele Ärzte aufhören und keine Nachfolger finden. Zum anderen seien durch die Zuwanderung mehr Kinder hinzugekommen. Nach zwei Wochen fand die Bielefelderin schließlich einen Arzt für die kleine Zoey - allerdings in Gütersloh. "Bei Doktor Drobnitzky und Doktor Haselier sind wir mit offenen Armen aufgenommen worden", berichtet sie. Die Strecke dürfte laut Tenge für andere Eltern jedoch problematisch sein. "Ich bin zum Glück mobil", sagt sie erleichtert. "Aber was machen Eltern, die kein Auto haben?". Tenge berichtet, dass sie für die Hin- und Rückfahrt nach Gütersloh rund eine Stunde braucht. "In einem Notfall undenkbar." Nun denke die Familie sogar über einen Umzug nach Gütersloh nach. »Ich hoffe, dass das Problem in der Politik Gehör findet« In einem Brandbrief an Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen verschaffte sie ihrem Ärger Luft und machte auf die Missstände aufmerksam. "Ich hoffe, dass das Problem in der Politik Gehör findet ", sagt sie. Eine Antwort der Stadt habe sie bislang aber noch nicht erhalten. "Ich wünsche mir von der Stadt, dass auf das Thema ein Auge geworfen wird", betont Daniela Tenge. Tatsächlich gilt Bielefeld in Sachen Kinderärzte als leicht überversorgt. Dennoch würde die Kassenärztliche Vereinigung weitere Praxen befürworten.

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