Der Bielefelder Weihnachtsmarkt eröffnet am Donnerstag, 23. November, und damit zum ersten Mal schon vor Totensonntag. - © Sarah Jonek
Der Bielefelder Weihnachtsmarkt eröffnet am Donnerstag, 23. November, und damit zum ersten Mal schon vor Totensonntag. | © Sarah Jonek

Bielefeld Früher Weihnachtsmarkt: Evangelischer Kirchenkreis zeigt Verständnis

Weil die Adventszeit 2017 kurz ist, eröffnet der Markt schon vor Totensonntag, 
wenn auch ohne Musik. Der Evangelische Kirchenkreis zeigt Verständnis. Doch es gibt auch harsche Kritik

Christine Panhorst

Bielefeld. Eigentlich ist Weihnachtstrubel vor dem Totensonntag, wie ihn der Volksmund nennt, tabu. Bis zum Ewigkeitssonntag als Schlusspunkt gehört vor allem die letzte Woche im Kirchenjahr dem Gedenken an die Verstorbenen. So hat es besonders in der evangelischen Kirche Tradition. 2017 wird in Bielefeld erstmals damit gebrochen und der Weihnachtsmarktbeginn auf den Donnerstag vor Totensonntag vorverlegt. Vonseiten der Bielefelder Kirchen gibt es für diese Veranstalterentscheidung nur zahme Kritik. Klare Worte finden dagegen christliche Journalisten und Verleger. Während sich die evangelischen Kirchenvertreter in Bielefeld mit der Vorverlegung arrangiert haben, nennt Christoph Irion, Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Weihnachtsmärkte vor der Adventszeit einen „Etikettenschwindel". Der Totensonntag vor Beginn der Adventszeit sei reserviert für das Gedenken an die Verstorbenen. „Die Zeit des Totengedenkens ist nicht die Zeit für Glühwein, Lichterketten und ’Jingle Bells’. Verantwortliche wären gut beraten, sich daran zu halten, anstatt alles den eigenen kommerziellen Interessen unterzuordnen", so Irion. Dass sich die Kritik aus den Reihen der Bielefelder Protestanten in Grenzen hält, liegt wohl auch daran, dass die Bielefeld Marketing als Veranstalter mit ihrem Anliegen, den Markt vor Totensonntag zu eröffnen, früh das Gespräch suchte. Am Totensonntag selbst bleibt der Markt geschlossen „Es gab bereits im Sommer ein langes Gespräch", sagt Uwe Moggert-Seils, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Bielefeld. Am Ende habe ein Kompromiss gestanden, man müsse differenzieren, der Wunsch der Veranstalter sei nachvollziehbar. „Aber wir haben die deutliche Bitte ausgesprochen, dass die Musik an den Markttagen vor Totensonntag heruntergedreht wird." Am Totensonntag selbst bleibt der Markt geschlossen. Von „einer einmaligen Ausnahme, die durch das Kalendarium begründet ist", erklärt Moggert-Seils die Position der evangelischen Kirche. Denn die Vorweihnachtszeit ist dadurch, dass der 1. Advent auf den 3. Dezember 2017 fällt, besonders kurz – und damit auch die Weihnachtsmarktzeit. Statt 34 Markttagen oder mehr, hätte es bei einem traditionellen Start am Montag nach Totensonntag nur 31 Markttage gegeben. Bei unveränderten Fixkosten eine knappe Rechnung für Veranstalter und Schausteller geworden, lässt Jens Möller von Bielefeld Marketing durchblicken. Während der evangelische Kirchenkreis Verständnis für die Geschäftstreibenden zeigt, kritisiert Pastor Ulrich Pohl, Bethel-Vorstandsvorsitzender, die Entscheidung. „Ich finde das nicht glücklich vor Totensonntag. Das einzelne Ereignis des Ewigkeitssonntags als ein Anlass, an dem der Verstorbenen gedacht wird, wird entwertet." Der katholische Pfarrer und stellvertretende Dechant Norbert Nacke aus Bielefeld bezeichnet, die Vorverlegung als „ein weiteres Zeichen, dass die weltliche Vorweihnachtszeit schon längst nichts mehr mit dem eigentlichen Festinhalt und der Adventszeit als stiller Vorbereitungszeit darauf zu tun hat". In der Region ist der frühe Weihnachtsmarkt jedoch kein Einzelfall: In Herford beginnt der Trubel ebenfalls am 
23. November, in Paderborn am 21. November. In Münster und Gütersloh hält man dagegen an Tradition und stiller Gedenkzeit fest und eröffnet erst nach Totensonntag.

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