An der A33 wurde mehrfach ein Reh gesichtet - die Polizei erschoss das Tier schließlich. (Symbolfoto) - © picture alliance / blickwinkel/H. Pieper
An der A33 wurde mehrfach ein Reh gesichtet - die Polizei erschoss das Tier schließlich. (Symbolfoto) | © picture alliance / blickwinkel/H. Pieper

Steinhagen Reh läuft auf die neue A33 und wird erschossen. Wie kann das passieren?

Frank Jasper

Steinhagen. Gleich mehrere Zeugen haben am Samstagnachmittag die Polizei alarmiert, nachdem sie im Bereich zwischen Schnatweg und Upheider Weg ein Reh auf der Autobahn gesehen hatten. Polizeisprecherin Corinna Koptik bestätigte den Vorfall. Demnach sei das Tier immer wieder entlang der Schnellstraße aufgetaucht. Schließlich erschossen es die Beamten im Bereich Butterweg, um zu verhindern, dass es erneut auf die Autobahn läuft. „Natürlich versuchen wir in solchen Fälle zunächst, das Tier zu retten, indem wir es von der Autobahn treiben. Dies gelingt aber nicht immer", erläutert Corinna Koptik. Im konkreten Fall mussten die Einsatzkräfte davon ausgehen, dass das Reh einen weiteren Versuch unternimmt, die A 33 zu überqueren. „Wir müssen in solchen Fällen die Gefahren beseitigen, die von dem Tier ausgehen", begründet sie die Tötung. Nur so könnten schlimmste Unfälle durch Kollisionen mit dem Wild verhindert werden. Kritik: "Die Wildschutzzäune sind nicht hoch genug" Wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass ein Tier den Autobahnbereich betritt, ist noch nicht geklärt. Laut Polizeisprecherin Corinna Koptik seien den Einsatzkräften vor Ort keine Beschädigungen im Wildschutzzaun aufgefallen. Zeugen haben seit Eröffnung des Steinhagener Autobahnabschnitts jedoch bereits mehrmals Rehe hinter dem Zaun und somit auf A 33-Gelände gesichtet. Sven Johanning, Sprecher beim Landesbetrieb Straßen.NRW kündigt im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt an, dass die Zäune auf mögliche Beschädigungen hin überprüft werden. Denkbar sei, dass Rehe über die Anschlussstelle am Schnatweg einen Weg auf die Autobahn finden. „Da es scheue Tiere sind und hier viel Verkehr ist, halte ich das aber für unwahrscheinlich", so Johanning. Wildschutzzäune sind in der Regel 1,60 Meter hoch 8.200 Meter Wildschutzzaun wurden entlang der Trasse auf Steinhagener Gebiet aufgestellt. „Damit sind überall dort Lücken geschlossen worden, wo es keine Lärmschutzwände gibt", erklärt Sven Johanning. Mal wurden die Zäune auf den Wällen aufgestellt, mal auf der der Straße abgewandten Seite entlang der Böschung. Sie sind in der Regel 1,60 Meter hoch. Das reiche aus, meint Johanning. „Da springt ein Reh hinüber", entgegnet Steinhagens Hegeringleiter Frank Meise. Diese Erfahrung habe man zuletzt am Waldfriedhof machen müssen, der mit einem 1,50 Meter hohen Zaun ausgestattet wurde. Dort seien Rehe beobachtet worden, die aus dem Stand heraus das Hindernis bewältigten. Diese Einschätzung teilt Familie Vogt, die am Butterweg wohnt und schon mehrfach Rehe hinter dem Wildschutzzaun beobachtet hat. Der Zaun an der A 33 stellt für die Rehe kein großes Hindernis dar", meint Kirstin Vogt. Das Problem verstärke sich durch einen Graben entlang der Autobahn, der es den Tieren schwer mache, wieder zurück zu kommen. Die Folge: „Das Reh könnte auf die A 33 laufen, was für Autofahrer sowie für das Tier auch mal tödlich enden kann", warnt die Anwohnerin. Wie Hegeringleiter Frank Meise erklärt, nutzen Rehe ihnen bekannte Wege. Der Wildwechsel in Steinhagen sei jetzt durch die Autobahn zerschnitten. Nicht überall gebe es an geeigneter Stelle Durchlässe. „Die Tiere stellen sich allerdings auch relativ schnell auf neue Situationen ein", weiß Meise. Aktuell sei die Gefahr von Wildwechsel auf Straßen besonders hoch. „Denn im Mai bekommen die Ricken ihre Kitze und jagen dann ihren Nachwuchs aus dem Vorjahr weg, damit diese selbständig werden." Ende Juli, Anfang August sollten Autofahrer ebenfalls besonders vorsichtig fahren. Denn dann beginnt die Paarungszeit des Rehwilds.

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